tpc, das Unternehmen hinter den Kameras. Fernseher ein, Sendung läuft. Ganz so einfach ist es nicht. Was steckt alles hinter einer Fernsehsendung? Wie läuft eine Produktion einer Live-Magazinsendung wie Kassensturz ab? Unsere Serie «Ein Blick hinter die Kulissen – Wie entsteht eine Live-Magazinsendung?» bietet einen spannenden Einblick in die tpc Welt.

1. Disposition – Das organisatorische Herz

Planung ist das A und O. In der Disposition laufen alle Fäden zusammen, sie ist das organisatorische Herz. Sie teilt Aufträge ein, prüft die Verfügbarkeit von Personal, Anlagen und Material und kontrolliert die Abläufe – von der Arbeitsvorbereitung bis zur Verrechnung.

Der Auftrag der Redaktion Kassensturz geht einerseits an die Disposition ENG, andererseits an die Disposition Postproduction (PP). Aber was heisst ENG? Electronic News Gathering, also Elektronische Berichterstattung. Aktuell und dynamisch – Ereignisse werden in Bild und Ton aufgenommen. Kurz und knapp: Das ENG-Team ist für den Dreh des Videomaterials zuständig, welches man später in der Sendung sieht. Die Disposition ENG verteilt die Aufträge an das ENG-Team: an die Kameraleute, Ton- und Lichttechniker, je nachdem was der Auftraggeber an Skills verlangt. Sie bucht das benötigte Personal, reserviert Autos und Ausrüstung.

Und was ist die Postproduction? In der Postproduction werden die gedrehten Bilder nach den Aufnahmen auf den Schnittsystemen nachbearbeitet. Dazu gehören der Bildschnitt, die Vertonung und die Bildbearbeitung (Grading). Die Dispo Postproduction ist für die Koordination dieser Arbeitsplätze zuständig und bucht das Personal.

Dreh und Schnitt werden im Detail geplant und am gebuchten Datum ausgeführt. Für die Kassensturz-Livesendung reserviert und bestellt die Disposition Studio + RW (Reportagewagen) zudem Studio und Personal. Ist alles geplant, kann es losgehen!

2. ENG – Jagd nach den besten Aufnahmen

Das tpc ENG-Team (ENG = Electronic News Gathering = Elektronische Berichterstattung) ist ready! Nach den ganzen Vorbereitungen der Disposition und Besprechungen mit den Redaktoren und Fachleuten kann es endlich losgehen – die Dreharbeiten stehen an.

Die produzierten Beiträge werden später in die Live-Sendung eingespielt. Unsere tpc Crew weiss, was es bedeutet, ein Teil des ENG-Teams zu sein:

VIDEO «tpc ENG»

3. Ingest – Material ab auf den Server!

Das ENG-Team hat jetzt zwar starke Bilder und spannende Interviews im Kasten, aber noch kann das Material nicht genutzt werden. Das Rohmaterial (Video- und Audiomaterial) wird in Form einer Speicherkarte oder Disk ins MEX (Mediaexchange) geliefert. Es ist die zentrale Stelle für den In- und Output aller Materialien auf Filebasis. Es passiert den Rohmaterial-Ingest, das Einspielen von Video- und Audiomaterial auf einen Server, sodass später das Material am Schnittplatz bearbeitet werden kann.

Die noch unbearbeiteten Videosequenzen werden für die Bearbeitung zentral gespeichert und bereitgestellt. Aber wie sieht es überhaupt beim Ingest aus?

VIDEO «Ingest»(Quelle: Hallo SRF!, 13. Oktober 2018)

4. Postproduction – Das Handwerk der Editoren

Nach den Dreharbeiten und dem Ingest kann das Rohmaterial endlich bearbeitet werden. Jetzt sind die Editoren gefragt! In Zusammenarbeit mit der Redaktion schneidet der Videoeditor die gedrehten Filmsequenzen. Was ist aussagekräftig? Was schafft es in die Sendung? Oftmals gar keine so einfache Entscheidung. Aus mehreren Stunden Rohmaterial schaffen es nur wenige Minuten in die Sendung. Natürlich spielt auch der Ton eine entscheidende Rolle. Dazu geht das Material zum Audioediting.

Für den Feinschliff geht’s letztendlich noch ins Grading und Compositing. Hier werden Farbe, Helligkeit und Kontraste angeglichen und durch Bildeffekte ergänzt.

VIDEO «tpc Postproduction»

5. Untertitelung – Die Helden der Hörbeeinträchtigten

Nun sind die Untertitel-Redaktorinnen an der Reihe. Mit der Untertitelung bekommen Tausende von hörbeeinträchtigten Menschen in der Schweiz die Chance, fern zu sehen. SWISS TXT, wie tpc eine Tochtergesellschaft der SRG, ermöglicht dies seit über 30 Jahren. Heute wird mehr als die Hälfte der SRF-Sendezeit untertitelt. Aber das soll noch nicht alles sein: Bis 2022 wird das Angebot auf 80 Prozent ausgebaut.

Bei Kassensturz kann bereits im Voraus ein Teil der Untertitelung gemacht werden, was bei kompletten Live-Sendungen wie Sportübertragungen nicht möglich ist. Ein Glück für die Untertitelungs-Redaktorinnen.

Via Redaktionssystem greifen sie auf die in der Postproduction fertig zusammengestellten Videobeiträge und die Texte der Redaktoren zu. Praktischerweise können so die Redaktionstexte im Untertitelungsprogramm übernommen und überarbeitet werden. Rechtschreibung, Lesbarkeit, Umformulierung und Satzstellung sind dabei die entscheidenden Faktoren. Zur Sicherheit wird dann der Text mit dem Video abgeglichen. Dabei werden verschiedenen Personen unterschiedliche Farben zugeteilt. Auch auf die Positionierung am Bildschirm muss geachtet werden. Nur so ist es gut leserlich.

Wer schlau ist, kann sich die Arbeit auch vereinfachen. Die Untertitel-Redaktorinnen erhalten vor der Sendung die ersten Notizen des Moderators. Die sind zwar noch unvollständig, können aber während den Moderationsproben etwa eine Stunde vor Sendeausstrahlung noch ergänzt werden. Mit nur einem Klick werden die vorbereiteten Untertitel synchron zum Gesprochenen «on air» gestellt.

Doch was passiert bei Live-Passagen? Wer nun denkt, die Untertitel-Redaktorinnen seien Weltmeisterinnen im Zehnfingersystem und können das Gesprochene locker im Eiltempo abtippen, liegt nicht falsch. Aber das ist gar nicht nötig. Denn: Mithilfe einer ziemlich genialen Spracherkennungssoftware werden die Untertitel von Respeakern live erstellt. Dabei ist höchste Konzentration angesagt: Das Gesprochene wird inklusive aller Satzzeichen in ein Mikrofon diktiert, woraus die Software einen schriftlichen Text erstellt. Dieser wird dann automatisch «on air» gesendet.

VIDEO «Untertitelung»

Effizienz, Schnelligkeit und Aufmerksamkeit – Skills, die nicht fehlen dürfen. Doch Fehler passieren auch den Profis. Fehler werden während der Sendung notiert, die Untertitelungsdaten anschliessend überarbeitet, mit der Sendungsdatei zusammengefügt und während den Wiederholungen automatisch ausgespielt.

6. Regie – Kein Zurück mehr: Wir gehen live

Liveaufzeichnung im Studio! Die Vorbereitungen sind vorbei, jetzt sorgt die tpc Crew im Hintergrund für eine reibungslose Aufnahme und Übertragung. Anwesend sind verschiedenste Mitarbeiter wie Kameraleute, Lichttechniker, Aufnahmeleiterin. Letztere ist dafür verantwortlich, dass die Leute, Ton-, Aufnahme- und das Dekorationsmaterial zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Wir werfen nun einen Blick in die Regie 3. Wer sitzt hier? Redaktor, Produzentin, Regisseur, Bildmischerin, Bildtechnik Equipen-Chef (EC), Bildtechnik Operateur und Grafikerin. Je nach Sendung kann dies variieren.

Man kann es bereits erahnen: Der Bildtechnik Operateur ist für die Bilder zuständig. Damit wir das perfekte Bild am Bildschirm sehen, macht er vor den Aufnahmen einen Farbabgleich der verschiedenen Kameras und passt die Blenden an.
Der Bildtechnik Equipen-Chef hat den technischen Lead. Er macht das Bildmaterial bzw. alle Beiträge parat, die später in der Sendung abgespielt werden. Wichtig ist, dass er für die ganze Regie die richtige Konfiguration auswählt, da diese je nach Sendung unterschiedlich ist.
Die Bildmischerin ist das Bindeglied zwischen Kameraleuten und Regisseur. Auf den verschiedenen Monitoren sind alle Kameras im Blick. So bestimmt sie nach den Angaben des Regisseurs, welche Kamerabilder im Fernsehen gezeigt werden. Ihr Werkzeug ist der Bildmischer. Diesen benutzt sie, um zwischen Kamerasignalen und Einspielungen zu schneiden sowie um Grafiken einzublenden. Und was hat es mit den vielen Knöpfen auf sich? Auf den ersten Blick verwirrend, aber eigentlich ganz simpel: diese stehen für verschiedene Bildquellen.

Die Sendung ist nicht einfach so zusammengewürfelt. Nein, der Regisseur bestimmt den dramaturgischen Ablauf und bespricht diesen vor der Liveschaltung mit den Kameraleuten. Wann wird welche Kamera geschaltet und aus welcher Perspektive soll gefilmt werden?

Für den Inhalt ist der Produzent bzw. die Redaktion zuständig. Der Produzent entscheidet, ob der Moderatorentext in Ordnung ist. Er muss ausserdem auf die Zeit achten und bei Umstellungen mit dem Moderator über dessen «Ohrwurm» kommunizieren. Nicht zu vergessen ist der Grafiker. Er ist für die während der Sendung gezeigten Grafiken und Einblender zuständig.

Was wäre Fernsehen ohne Ton? Schlicht unvorstellbar! Der Tonmeister ist für die Audio-Mischung während der Sendung zuständig. Das fordert dem Techniker höchste Konzentration ab. Weiter braucht es einen speziell auf Akustik designten Raum, damit der Tonmeister die Sprachverständlichkeit dynamisch optimieren kann.
Die Tontechniker sind auch dafür verantwortlich, dass Moderatoren und Gäste richtig verkabelt sind und Aufnahmeleitung, Kameraleute und Regie untereinander kommunizieren können.

7. TV Signalworkflow – Bye bye Leutschenbach

Wie funktioniert nun die Distribution des Live-Signals? Die Technik ist äusserst kompliziert. Doch hier ein Versuch einer vereinfachten Erklärung. Entscheidende Rollen spielen dabei der Schaltraum, das Sendezentrum und die SRG Distribution.

Über Glasfasern gelangen Bild und Ton von der Live-Regie in den Schaltraum. Hier laufen alle Bild-, Audio- und Kommunikationsleitungen zusammen. Im Schaltraum werden auch Verbindungen zu Korrespondenten oder andern Fernsehanstalten hergestellt.

Achtung, es wird komplexer: Das Signal kommt im Schaltraum in einer sogenannten Kreuzschiene an. Darin wird fernbedient ein Knotenpunkt gesetzt, womit das Signal dann via Glasfaserleitungen weiter zur Kreuzschiene im Sendezentrum-Apparateraum geht.

Weiter geht’s ins Sendezentrum zur Senderegie. Der Sendetechniker schaltet das Signal mit einer «Fernbedienung» und kontrolliert technisch den Bild- und Toninhalt. Ist die Quelle in Ordnung? Wenn ja, gibt er das Signal zum Senden an den Sendeleiter frei.

Sie ist das Herz der Senderegie: die Sendeautomation. In der Liste der Sendeautomation wird die Sendung geplant und on air gegeben. Hier werden die SRF-Logos und die Teletext-Untertitelung automatisch integriert. Dabei ist auch Timing wichtig. Die Sendeleitung muss das Programm richtig timen und falls die Livesendung einmal früher als erwartet fertig ist, muss sie die Lücke mit Promos, Trailern oder einem Signet füllen.

Sie darf auf keinen Fall fehlen: die Kontrolle. An jeder Schnittstelle, sowohl in der Senderegie als auch im Qualitycheck werden Bild und Ton kontrolliert.

Die Endkontrolle findet schliesslich im Sendezentrum im Cockpit statt, wo die gleichzeitige Bild- und Ton-Überwachung von SRF 1, SRF 2 und SRF Info durchgeführt wird. Noch ein letzter Schritt, ehe das Signal das Fernsehstudio in Leutschenbach verlässt. Das Cockpit ist die Schnittstelle zwischen dem Sendezentrum und der SRG Distribution. Wieder wird das Signal über Glasfaserleitungen zur nächsten Stelle geführt. Aber dieses Mal über zwei unterschiedliche Wege. Weshalb? Sicherheit im Havariefall.
Bei der SRG Distribution werden die Signale von nicht weniger als sieben Fernsehstationen und 17 Radiostationen aus der ganzen Schweiz gesammelt und gesendet. So gelangt das Signal terrestrisch (DVB-T, Antenne), über Satelliten (DVB-S, Satellitenschüssel) oder Kabel (z.B. Swisscom, UPC) schlussendlich nach Hause. Voilà, die Sendung erscheint auf dem Bildschirm.